Was ist Nachhaltiges Reisen?
Tipps & Tricks für einen nachhaltigen Urlaub
Nachhaltigkeit – ein Thema womit wir alle mittlerweile konfrontiert werden. Aber wie geht nachhaltiges Reisen? Was muss ich tun, um nachhaltig und umweltfreundlich zu reisen? Welches Transportmittel soll ich wählen? Woran erkenne ich eine nachhaltige Unterkunft? Welches Verhalten gegenüber Menschen und Umwelt ist richtig und angemessen? Wodurch kann ich unnötigen Müll vermeiden und wie bin ich auf Reisen klimaschonend unterwegs?
Ich zeige euch wie es geht – Antworten auf diese und weitere Fragen findet ihr in den nachfolgenden Tipps – viel Spaß beim lesen!!!
Inhaltsverzeichnis
ToggleWas ist Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip, das die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken, indem Ressourcen verantwortungsbewusst genutzt und soziale Gerechtigkeit gefördert wird. Es geht um ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten, um eine lebenswerte Zukunft für alle zu sichern. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts und bedeutete, nicht mehr Holz zu ernten, als nachwachsen kann.
Zur Nachhaltigkeit gehören also drei Säulen: Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft
Ökologie
Ökologie bedeutet bedeutet ressourcenschonend, verantwortlich und umweltbewusst reisen, also das wir nur die Ressourcen nutzen, die wir selbst bzw. die Erde generieren können. Derzeit leben wir auf der Erde aber leider so, als hätten wir drei Erden zur Verfügung. Im Klartext bedeutet das die Bevorzugung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Bahn oder Bus, die Minimierung von Abfall und bewusster Umgang mit Wasser und der respektvolle Umgang mit der Natur, Tieren und Pflanzen.
Ökonomie
Die Ökonomie, also Wirtschaft ist dann nachhaltig, wenn sie langlebig ist. Nachhaltige Ökonomie bezieht sich vor allem auf die lokale Wertschöpfung:
Unterstützung lokaler Betriebe und Dienstleister, um sicherzustellen, dass die lokale Bevölkerung wirtschaftlich von den Besuchern profitiert. Auch die Wahl von Unterkünften mit Nachhaltigkeitslabels, die ökologische und soziale Kriterien erfüllen gehört dazu. Der Tourismus ist in jedem Land wichtig. Durch das Ausbleiben von Tourist*innen müssen ggf. Hotels, Parks und Restaurants schließen, was sich nicht nur auf die Wirtschaft des Landes auswirkte, sondern auch auf die Gesellschaft.
Gesellschaft
Nachhaltigkeit in der Gesellschaft umfasst alle sozialen Aspekte: Sich der Kultur des Landes anpassen, Sitten und Gebräuche respektieren und den Einheimischen auf Augenhöhe begegnen und den Menschen vor Ort nicht nur fair behandeln, sondern sie auch in touristische Entscheidungen einbeziehen.
Was ist nachhaltiges Reisen?
Nachhaltiges Reisen, auch sanfter Tourismus genannt, ist eine Form des Reisens, bei der die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen minimiert und die positiven Effekte maximiert werden, um sicherzustellen, dass die Umwelt, die lokale Kultur und die Bevölkerung des Reiseziels langfristig von der Reise profitieren. Kernpunkte sind die Schonung der Natur, die Achtung der Kultur und der faire Umgang mit den Menschen vor Ort sowie die Unterstützung der lokalen Wirtschaft (WWF Deutschland).
Wahl der Destination
Bevor du deinen Urlaubsort auswählst, stelle dir folgende Fragen:
- Wo möchtest du hin?
- Was möchtest du erleben?
- Wann möchte ich dort hin?
- Wie viel Zeit hast du zur Verfügung?
- Was möchtest du sehen?
- Welche Normen & Werte, landesüblichen Gesten, kulturelle Hintergründe und Besonderheiten gibt es dort?
- Wie sieht die politische Situation im Land aus?
- Welche medizinischen Aspekte gilt es zu beachten?
Weniger ist oft mehr, also plane genügend Zeit vor Ort ein, um nicht von A nach B hetzten zu müssen. Die Frage der Zeit ist auch wichtig bei der Wahl der Entfernung des Reiseziels. Hast du nur ein paar Tage? Dann würde sich ein weit entferntes Ziel mit langer Anreise aus nachhaltiger Sicht eher nicht lohnen. In diesem Fall wäre ein Urlaub im Heimatland oder in einem deiner Nachbarländer passender.
Auch die Reisezeit ist entscheidend bei der Wahl deiner Destination. Statt der Hauptsaison solltest du die Nebensaison nutzen. Natürlich ist diese Reisezeit nicht für alle Menschen möglich, aber solltest du diese Möglichkeit haben, würde ich sie dir empfehlen, da Unterkünfte günstiger angeboten werden, du eine größere Chance auf Tickets für Fähren, Museen oder andere Highlights hast und die Möglichkeit besteht, Einheimischen zu begegnen.
Wahl der Reiseform
Hier findest du eine Übersicht nachhaltiger Reiseformen:
- Wanderurlaub
- Fahrradurlaub
- Segelreisen
- Kanutouren
- Bahn-/ Zugreisen
- Vanlife/ Camping
- Impactreisen
Auch hier solltest du dir Gedanken machen, welche Art von Reise du machen möchtest. Im Schritt drei gehe ich nochmal mehr darauf ein.
Wahl des Transportmittels
Bei der Wahl des Fortbewegungsmittels solltest du immer überlegen, ob es auch umweltfreundlichere Alternativen gibt. Eine sechswöchige Reise nach Bali musst du aber nicht zu Fuß oder per Bahn beschreiten. Es kommt immer darauf an, wie lange du vor Ort bist. Merke dir nur: Wenn du fliegst, dann bleibe auch möglichst lange vor Ort.
Faustregel: je weiter weg, desto länger vor Ort.
Zu Fuß, Fahrrad, Bus, Bahn und Auto bleiben wohl die nachhaltigsten Transportmittel.
Zudem gibt es die Möglichkeit einer Flugkompensation.
Natürlich wäre es wichtig, dass wir jede Flugreise bewusst buchen und uns erstmal nach Alternativen umsehen. Dennoch ist es manchmal nicht anders möglich und wir müssen auf das Flugzeug als Transportmittel zurückgreifen und dafür sollte sich auch keiner schämen. Flugkompensation ist der Prozess, bei dem die CO2-Emissionen eines Fluges durch Spenden an Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden, die an anderer Stelle eine vergleichbare Menge an Treibhausgasen einsparen. Diese Projekte können beispielsweise den Bau von erneuerbaren Energien, das Pflanzen von Bäumen oder die Förderung nachhaltiger Entwicklung in lokalen Gemeinschaften umfassen.
Hierfür könnt ihr z.B. die Organisation „atmosfair“ nutzen:
Atmosfair ist eine gemeinnützige Organisation, die durch die Finanzierung von Projekten für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Entwicklungsländern Treibhausgasemissionen kompensiert. Fluggäste und Unternehmen zahlen freiwillig Klimaschutzbeiträge, die Atmosfair nutzt, um CO₂-Einsparungen zu erzielen und gleichzeitig lokale Bevölkerungsgruppen mit sauberer Energie zu versorgen. Die Organisation ist für die Qualität ihrer Klimaschutzprojekte bekannt und schneidet in Vergleichsstudien durchweg gut ab, beispielsweise durch die Unterstützung des Gold Standards.
Wahl der Unterkunft
Bei der Wahl der Unterkunft kommt es natürlich auf euren eigenen Reisestil an. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, die wir euch im nachfolgenden vorstellen:
All-Inclusive Hotel
All-inclusive Hotels sind grundsätzlich weniger nachhaltig, da sie oft mit hoher Lebensmittelverschwendung an Buffets, hohem Wasser- und Energieverbrauch und der Abhängigkeit von importierten Produkten einhergehen. Zudem sind All-Inclusive Hotels oft so konzipiert, dass ein Gang nach draußen, um Kultur und Menschen des Landes kennenzulernen, kaum möglich bzw. nötig sind. Es gibt jedoch positive Entwicklungen, da manche All-inclusive Hotels durch optimierte Buffet-Gestaltung, den Einsatz lokaler Produkte, Energieeffizienz und Recycling zur Nachhaltigkeit beitragen. Achtet einfach darauf, wenn ihr das nächste Mal so eine Unterkunft bucht.
Hotel
Bei der Wahl eines Hotels kannst du mittlerweile auf zertifizierte Nachhaltigkeitssiegel achten, z.B. Biosphere Tourism, Green Globe, Green Key oder Travelife.
VORSICHT: Vor allem Hotelketten werben oft mit nachhaltigeren Angeboten, die sich am Ende leider eher als Show herausstellen. Zudem kommt bei vielen Hotelketten der Aspekt der sozialen Ungerechtigkeit zum Tragen: Das Hotelpersonal wird oft sehr schlecht bezahlt und macht jede Menge Überstunden. Im Tourismus ist das leider keine Seltenheit. Außerdem landet das Geld, welches du für das Hotelzimmer bezahlst, meist bei den großen Fischen und nur selten in der Region, die es wirklich gebrauchen kann. Daher aufpassen bei der Buchung von großen Hotelketten.
Bei Booking.com gibt es die Möglichkeit, nach Nachhaltigkeitszertifizierungen zu filtern.
Hostels
Hostels eignen sich vor allem, wenn du alleine unterwegs bist. Hier hast du in Gemeinschaftsräumen oft die Möglichkeit, andere Reisende kennenzulernen. Hier wird oftmals auf viel Schnickschnack verzichtet, es ist also ressourcenschonend. Meist gibt es in Hostels eine kleine Küche, in der Reisende zusammenkommen und zusammen kochen.
AirBnB
Die Nachhaltigkeit von Airbnb ist komplex; die Plattform bemüht sich aktiv um Umweltschutz durch Initiativen wie den Klimaschutzbeitrag und die Förderung energieeffizienter Unterkünfte, während gleichzeitig die kritische Debatte besteht, ob Airbnb die Konsumgewohnheiten verstärkt, zu neuen Monopolen führt oder nur den Markt für Dienstleistungen, die früher unentgeltlich waren, professionalisiert und monetarisiert.
Viele AirBnB Wohnungen sind meist jedoch privat geführt. Also landet das Geld bei den Einheimischen direkt vor Ort.
Housesitting
Housesitting ist sehr nachhaltig, da es Hotels und Resorts ersetzt, wodurch weniger neue Anlagen gebaut werden müssen. Durch die Nutzung leerstehender Häuser wird der Ressourcenverbrauch eines Hauses optimiert, anstatt die Ressourcen neuer Hotelanlagen zu nutzen.
Wohnmobil/ Van
Ist es wirklich so umweltfreundlich in einem riesigen Auto unterwegs zu sein mit 3,5 Tonnen und jeder Menge Spritverbrauch? Wohl nicht wirklich.
Die Übernachtung dafür eher schon: Im Van oder Wohnmobil achten Reisende vermehrt auf Wasser- und Stromverbrauch und verbrauchen sonst auch nicht viel Energie. Zudem kann man die Region oder das Land mit Einkäufen und sonstigen Eintritten unterstützen.
Der Campingplatz ist eine der umweltfreundlichsten Unterkünfte. Aber auch hier ist wichtig: Achte darauf, dass du deinen Müll wegräumst. Wildcampen solltest du vermeiden.
Packliste
Die Packliste und das Gewicht deines Gepäcks spielen eine große Rolle beim nachhaltigeren und umweltfreundlichen Reisen. Große schwere Gepäckstücke sorgen nicht nur für einen höheren Ausstoß von Treibhausgasen, sondern verursachen auch noch Rückenschmerzen.
Hier sind ein paar Fragen, die du dir beim packen stellen solltest:
- Brauche ich das wirklich?
- Lohnt es sich, diesen Gegenstand auf meiner Reise mitzuschleppen oder ist es nur ein Nice to Have?
- Bekomme ich das, was ich haben möchte, auch gebraucht?
Auch bei den Gegenständen selber kannst du auf mehr Nachhaltigkeit achten. Hier eine kleine Auswahl:
- Festes Shampoo
- Holzzahnbürste
- Deocreme
- Rasierhobel
- Wiederverwendbare Wattestäbchen
- Umweltfreundliche Kosmetik
- Mineralische Sonnencremes
Ernährung vor Ort
Wir alle lieben Essen: Hier sind ein paar Tipps was du zum Thema Essen vor Ort alles beachten kannst:
- achte auf vegetarische und vegane Ernährung
- achte auf die Wahl der Restaurants und probiere dich durch die Vielfalt der Geschmäcker deines Reiselands
- bevorzuge saisonale, fair gehandelte und regionale Produkte, wenn möglich aus ökologischem/ kleinbäuerlichem Anbau.
- Verschwende keine Lebensmittel
Menschen vor Ort
Was kannst du tun, um die lokale Bevölkerung zu unterstützen? Das erklären wir dir jetzt:
- Respektiere die Kultur, Sitten und Gebräuche, begegne den Einheimischen auf Augenhöhe und behandle sie fair
- Sei offen und neugierig
- Nutze vor Ort landestypische Transportmittel (z. B. Tuk Tuk, Cyclo oder Taxi), um die lokalen Strukturen zu unterstützen
- Unterstützen das lokale Handwerk – so werden Traditionen gepflegt und die lokale Wirtschaft unterstützt. Zahle zudem faire Preise. Handarbeit ist wertvoll.
- Bedenke, dass religiöse Gebäude kein Konsumgut, sondern heilige Stätten sind. Übe äußerste Zurückhaltung bei religiösen Zeremonien
- Bitte vor dem Fotografieren immer um Erlaubnis
Aktivitäten vor Ort
Hier eine kleine Checkliste, was du bei den Aktivitäten vor Ort alles beachten kannst:
- Gehe achtsam mit Natur und Umwelt um
- Bleibe auf den gekennzeichneten Wegen oder buche verantwortungsvoll durchgeführte Touren in kleinen Gruppen; vielleicht sogar in Begleitung von geschulten Expert*innen.
- Beachte beim Wintersport Schutz- und Sperrzonen und das genug Schnee liegt. Auf Kunstschnee solltest du verzichten
- Achte beim Tauchen darauf, keine Korallen zu beschädigen.
- Meide Delfinarien oder andere inszenierte Tierschauen mit nicht artgerechter Haltung. Unternehme stattdessen achtsame Tierbeobachtungen.
- Buche nur verantwortungsvoll durchgeführte Beobachtungstouren in kleinen Gruppen und lasse dich von geschulten Expert*innen in Naturschutzgebieten über umweltgerechtes Verhalten informieren.
Souvenirs
Achte beim Souvenir-Kauf, wen du damit unterstützt und wo es produziert wurde:
- Kaufen keine Souvenirs aus gefährdeten Tier- oder Pflanzenarten und keine geschützten Kulturgüter
- Auch hier gilt: unterstützen das lokale Handwerk – so werden Traditionen gepflegt und die lokale Wirtschaft unterstützt. Zahle zudem faire Preise.
Fazit
Ihr seht, es gibt viele Möglichkeiten achtsamer und bewusster zu reisen.
Reisen ist alles andere als nachhaltig, aber jeder kann es versuchen besser zu machen.
